„Spätestens nach drei Tagen ohne Strom wird die Lage dramatisch“

Der Versicherungsverband GDV hat eindringlich vor den Folgen eines längeren Stromausfalls in Deutschland und Europa gewarnt. Bereits nach wenigen Tagen ohne Stromversorgung werde die Situation sehr dramatisch und die Folgen seien verheerend. Der Sicherheitsexperte Albrecht Broemme glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Ernstfall eintritt.


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Zusammenbruch der kritischen Infrastruktur:

„Schon die ersten 24 Stunden ohne Strom bringen das Leben, wie wir es kennen, zum Stillstand“, heißt es in einem Bericht des Versicherungsverbandes GDV. Telefon und Internet fallen aus, U- und S-Bahnen bewegen sich nicht mehr, Flugzeuge bleiben am Boden. Verkehrschaos auf den Straßen, kein Bargeld mehr aus dem Automaten. In den Supermärkten laufen die Registrierkassen noch etwa 30 Minuten mit Notstrom, bis sie den Geist aufgeben.

„Ein großes Tiefkühlregal hält zwischen zwei und zehn Stunden durch, wenn wir die Kälte mit Rollos, die wir sonst nur nachts herunterlassen, speichern können“, zitierte der GDV den Präsidenten des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Björn Fromm. Danach beginne das Fleisch zu gammeln, die Pizza werde pappig, die Eiscreme flüssig. Nach 24 Stunden beginne der Zusammenbruch des öffentlichen Lebens. Die Behörden lösen Katastrophenalarm aus und Radio- sowie Fernsehstationen gehen in den Notbetrieb.

„Spätestens nach drei Tagen ohne Strom wird die Lage dramatisch“

Der Versicherungsverband GDV ist sich sicher, dass die Folgen eines längeren Stromausfalls katastrophal und dramatisch wären und es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Ernstfall in Deutschland eintritt. Die ersten Menschen sterben bereits nach wenigen Tagen, weil sie sich nicht mehr versorgen können, lebenswichtige Medikamente fehlen oder medizinische Geräte nicht mehr funktionieren. Albrecht Broemme, langjähriger Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) und Chef des Thinktanks Zukunftsforum „Öffentliche Sicherheit in Berlin“, sieht Hackerangriffe und Extremwettereignisse als größte Gefahren für die Stromversorgung und ein großflächiger Stromausfall sei unvermeidbar.

Man müsse der Bevölkerung klarmachen, dass ein Blackout möglich sei, dem man sich nicht einfach entziehen könne, weil eine „sehr große Fläche betroffen sein wird“, meint der Katastrophenschützer Albrecht Broemme. Dass es so kommt, sei für ihn nur eine Frage der Zeit. „Halb Europa wird dann für vier bis sechs Wochen ohne Strom sein.“

Hybride Kriegsführung gegen kritische Infrastruktur:

Der Krieg in Osteuropa könnte auch die Cyber-Sicherheit in Deutschland gefährden. Behörden empfehlen, sich ausreichend auf mögliche Stromausfälle vorzubereiten. Bei einem anhaltenden Blackout wären die Folgen verheerend. „Besonders schwerwiegend wären Ausfälle in der Informations- und Telekommunikation, Versorgungsausfälle bei der Wasser- und Abwasserversorgung sowie im Lebensmittelbereich. Auch die Krankenversorgung und die Gefahrenabwehr mit essenzieller Bedeutung für die Gesellschaft wären massiv betroffen“, heißt auf der Webseite vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz.